DorfFunk / StadtLand.Funk

Das digitale Dorf in der Tasche

Wie kann eine App Menschen, Kommunen und lokale Organisationen einer Region an einem Ort zusammenbringen?

DorfFunk ist eine App für lokale Kommunikation. Bürger:innen sehen, was in ihrer Gemeinde passiert, können Beiträge schreiben, Hilfe anbieten oder suchen und Informationen ihrer Kommune erhalten.

Die App entstand am Fraunhofer IESE als Teil der Plattform Digitale Dörfer. Später wurde DorfFunk unter dem Namen StadtLand.Funk in einen neuen Betriebsrahmen überführt und weiterentwickelt. DorfFunk erreichte rund 300.000 registrierte Nutzer:innen.

MVP-Release: 2018 · StadtLand.Funk seit 2025

Meine Rolle
Ich war über mehrere Jahre hauptverantwortlich für UX und Product Ownership von DorfFunk. Meine Arbeit lag an der Schnittstelle von Nutzerbedürfnissen, kommunalen Anforderungen und technischer Umsetzung.

Meine Schwerpunkte waren:

  • Produktidee, UX-Konzept und Informationsarchitektur
  • User Journeys, Wireframes, Prototypen und UI-Konzepte
  • Roadmap, Priorisierung, User Stories und Backlog-Arbeit
  • Abstimmung mit Entwicklungsteam, Kommunen, Projektpartnern und Stakeholdern
  • konzeptionelle Neuausrichtung und UI-Überarbeitung für StadtLand.Funk

Ausgangslage

In vielen Regionen passiert mehr, als nach außen sichtbar wird: Angebote, Veranstaltungen, Initiativen, Hilfsbereitschaft. Informationen liegen verteilt: auf Webseiten, in Amtsblättern, in Vereinsstrukturen, in Messenger-Gruppen, auf Social Media oder direkt bei einzelnen Personen.

Für Kommunen ist das schwierig. Sie brauchen Kanäle, über die sie Bürger:innen erreichen können, ohne vollständig von externen Plattformen abhängig zu sein.

Discovery & Research

Gemeinsam mit Menschen aus den Testregionen untersuchten wir in Workshops vor Ort, welche Informationen und Formen des Austauschs im lokalen Alltag fehlten.

Workshop vor Ort mit Bürger*innen aus den Testgemeinden

Viele nutzten soziale Netzwerke für Familie und Freundeskreis, nicht für ihren Ort. Lokale Informationen verteilten sich auf einzelne Gruppen und Kanäle; zugleich gab es spürbare Datenschutzbedenken. Daraus entstand eine zentrale Anforderung: Die App musste ohne bestehendes persönliches Netzwerk unmittelbar lokal relevant sein. Erste Ansätze prüften wir mit Papierprototypen und Usability-Tests.

Low Fidelity Mockups der wichtigsten Screens von DorfFunk

Die Produktidee

Im Kern ein lokaler Feed

Daraus wurde ein bewusst einfaches Produkt. Bürger:innen schreiben kurze Beiträge, lesen mit, was andere posten, und antworten direkt. Wer die App öffnet, sieht, was in der eigenen Region los ist: Gesuche, Angebote, Fragen und Neuigkeiten. Auch Kommunen sind Teil davon und können eigene Inhalte und Hinweise einbringen.

Beiträge in Feedansicht

Heimatort als Einstieg

Entscheidend ist, dass Nutzer:innen in der App etwas sehen, das für sie relevant ist. Klassische soziale Netzwerke lösen das über bestehende Kontakte: Freund:innen, Follower, Gruppen. Für einen lokalen Kontext trägt das nicht. Relevant ist nicht, wen man kennt, sondern wo man ist. Deshalb erfolgt der Einstieg über die Heimatgemeinde, nicht über Freundeslisten: Nutzer:innen wählen ihren Ort und sind direkt mit ihrer lokalen Umgebung verbunden.

Das macht die App sofort lokal nutzbar, ohne dass man erst Kontakte sammeln oder ein Netzwerk aufbauen muss. Der Preis dafür: DorfFunk verzichtet bewusst auf einen starken Engagement-Treiber klassischer Netzwerke. Relevanz entsteht nicht von allein über persönliche Beziehungen, sondern muss über lokale Inhalte und Aktivität vor Ort wachsen.

Kommunen als Teil des Produkts

Eine lokale Plattform lebt von verlässlichen, relevanten Inhalten. Genau die kann eine Kommune liefern: amtliche Meldungen und Veranstaltungen, Warnmeldungen, lokale Angebote, Dienste und Vereine an einem Ort. Zugleich gibt ihre sichtbare Beteiligung der Plattform vor Ort Legitimation. Deshalb war die Kommune von Beginn an als aktiver Teil des Produkts angelegt, nicht nur als Zielgruppe.
Das ist zugleich der Unterschied zu einem klassischen sozialen Netzwerk: Nicht nur Menschen vernetzen sich, sondern der Ort selbst wird abgebildet, mit seinen Institutionen, Angeboten und Informationen.

Amtliche Meldung der fiktiven Stadt Königslautern sowie die Vorstellung der Stadt im Bereich "Region"

Weiterentwicklung zu StadtLand.Funk

2025 wurde der Betrieb gemeinsam mit externen Partnern neu aufgestellt und DorfFunk unter dem Namen StadtLand.Funk weiterentwickelt. Ziel war ein dauerhaft tragfähiger Betrieb, eine modernisierte technische Basis und eine Öffnung über ländliche Regionen hinaus.

Ich verantwortete das neue UX-Konzept und die Überarbeitung der Oberfläche für die neue Marke. Dabei mussten neue Bereiche und eine klarere Struktur entstehen, ohne bewährte Nutzungsmuster für bestehende Nutzer:innen unnötig zu verändern. Die technische Modernisierung verbesserte die Performance, im UX-Konzept lag mein Fokus auf Orientierung, Barrierearmut und konsistenten Wegen durch die Anwendung.

Nutzerfeedback, kommunale Interviews und eine Befragung mit rund 2.500 Teilnehmenden dienten dazu, die Überarbeitung zu prüfen. Die Ergebnisse flossen in die Priorisierung und eine Roadmap für die weitere Entwicklung ein.

StadtLand.Funk

Mit StadtLand.Funk entstand eine überarbeitete Oberfläche mit neuen Bereichen. Vier davon zeigen, wie StadtLand.Funk lokale Kommunikation und lokale Inhalte zusammenbringt:

Einstieg in die Region

Beim Öffnen führt ein kuratierter Überblick in die eigene Region, statt direkt in einen offenen Nachrichtenstrom. So wird auf einen Blick sichtbar, was vor Ort gerade besonders relevant ist.

Austausch in der Nachbarschaft

Bürger:innen schreiben Beiträge und kommen darunter ins Gespräch: Fragen, Hilfe, Hinweise, alles bezogen auf den eigenen Ort. So entsteht aus einzelnen Beiträgen lokaler Austausch.

Warnmeldungen direkt in der App

Durch die Integration von KATWARN werden Warnmeldungen im vertrauten lokalen Kanal sichtbar. Damit ergänzt die App den alltäglichen Austausch um sicherheitsrelevante Informationen.

Meine Region

Ein eigener Bereich stellt den Ort vor: mit lokalen Angeboten, Diensten und Vereinen. Anders als der Feed ist das kein laufender Austausch, sondern ein bleibender Überblick über das, was die Region ausmacht.

Wirkung & Learnings

DorfFunk wurde über mehrere Jahre in vielen Regionen genutzt und erreichte rund 300.000 registrierte Nutzer:innen. Damit blieb die App kein Demonstrator, sondern wurde zu einem dauerhaft genutzten Produkt. Besonders gut funktionierte die Einführung dort, wo Kommunen und lokale Partner sie aktiv in die Region trugen.

Während der Corona-Zeit wurden in einer Region über die App Masken für die freiwillige Feuerwehr organisiert. Solche Beispiele zeigen, dass der Wert weniger in einer einzelnen Funktion lag als in einem etablierten lokalen Kanal, über den Menschen schnell zueinanderfinden konnten.

Mein wichtigstes Learning: Lokale Plattformen entstehen nicht allein durch einen guten App-Release. Sie brauchen relevante Inhalte, Legitimation vor Ort und Multiplikator:innen. Gleichzeitig muss die zentrale Produktidee stabil genug sein, um Roadmaps und Stakeholder-Wünsche daran zu prüfen. Bei DorfFunk war das die lokale Verbindung von Menschen, Kommunen und Organisationen.

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