Digitale Wohnberatung
Damit Wohnen im Alter nicht an der Wohnung scheitert
Wie erreicht man ältere Menschen mit Informationen zu Wohnhilfen, wenn Sorgen vor Kosten und Umbau sie von einer Beratung abhalten?
Die Digitale Wohnberatung ist ein Online-Portal, das genau hier ansetzt. Sie zeigt Alltagshelfer für die eigene Wohnung und macht ihren Einsatz in einem virtuellen Wohnungsrundgang greifbar, ohne dass man dafür schon ein Beratungsgespräch führen muss.
Die Grundidee klingt einfach: über Hilfsmittel informieren. Schwierig wird sie, weil die Zielgruppe das Thema oft meidet. Wer Kosten und Umbau fürchtet, sucht gar nicht erst nach Lösungen. Die Seite musste also nicht nur informieren, sondern diese Hürde von Anfang an mitdenken.
Entwickelt 2018 beim Fraunhofer IESE
Meine Rolle
Ich habe das Projekt von der Anforderungsklärung bis zur fertigen Website begleitet. Dazu gehörten:
- Anforderungen mit den Beratungsstellen erarbeitet und Workshops moderiert
- Personas entwickelt und als Entscheidungsgrundlage im Projekt verankert
- Inhalte priorisiert und die Informationsarchitektur konzipiert
- Gestaltung und Umsetzung der Website verantwortet
Worum es ging
Die Digitale Wohnberatung soll die erste Anlaufstelle für ältere Menschen sein, die sich über Hilfsmittel und Fördermöglichkeiten informieren wollen. Im Kern stand eine Hürde, die nichts mit Technik zu tun hat: Wer Kosten und Umbau fürchtet, kommt gar nicht erst in die Beratung. Die Seite musste diese Sorge früh aufgreifen, sonst erreicht sie die Menschen nicht, für die sie gedacht ist.
Anforderungen & Konzeption
Das Projekt entstand in enger Kooperation mit der Kommunalen Wohnberatungsstelle des Landkreises Tirschenreuth, die ältere Menschen vor Ort und über Rundgänge in einer Musterwohnung berät.
Dieses Beratungswissen war der Ausgangspunkt. In mehreren Workshops haben wir gemeinsam die Vision und die Anforderungen erarbeitet. Personas haben dabei geholfen, die Zielgruppe über das ganze Projekt hinweg konkret zu halten und Entscheidungen an ihren Bedürfnissen auszurichten.
Beim Card Sorting mit den Berater:innen ging es vor allem um die Priorisierung: Aus vielen möglichen Inhalten musste eine Struktur entstehen, die für die Zielgruppe verständlich und übersichtlich ist.
Lösung
Die wichtigste Gestaltungsentscheidung war, Alter und Einschränkungen nicht in den Mittelpunkt zu stellen. Bei dem Thema liegt eine Gestaltung nahe, die Hilfsbedürftigkeit betont oder wie ein klassisches Seniorenangebot wirkt. Ich habe mich bewusst dagegen entschieden und die Website freundlich, klar und nah am Alltag gestaltet. So werden die Wohnhilfen nicht als Ausgleich für Defizite präsentiert, sondern als selbstverständliche Unterstützung für ein möglichst eigenständiges Leben.
Virtueller Wohnungsrundgang
Im virtuellen Rundgang werden die Hilfsmittel in einer 3D-Modellwohnung gezeigt. Besucher:innen bewegen sich von Raum zu Raum und können nachvollziehen, wo und wie die einzelnen Lösungen im Alltag eingesetzt werden. Den Rundgang selbst hat advance.media umgesetzt.




